Hamburger Projekt

Ankommen in einem fremden Land, eine neue Sprache lernen, die Stadt kennenlernen und sich in der Schule neu orientieren – das sind große Herausforderungen, vor denen viele neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler, aber auch die Stadt und die Gesellschaft insgesamt stehen. WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder- und jugendliche möchte jungen Menschen der Jahrgangsstufe 5/6 und 7/8 dabei helfen, gut anzukommen und ihre Bildungschancen wahrzunehmen. Lehramtsstudierende und Studierende anderer Fachrichtungen begleiten als Mentorinnen und Mentoren ausgewählte Schülerinnen und Schüler, die Mentees. Die Begleitung kann bis zu zwei Jahren dauern, um den Übergang von der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) in die Regelklasse zu erleichtern. Die Mentorinnen und Mentoren vermitteln ihren Mentees wichtige Fähigkeiten für das selbstständige und wirksame Lernen, helfen in zentralen Schulfächern und bei der Vorbereitung auf Tests und Prüfungen. Darüber hinaus sind die Studierenden Bezugsperson und Ratgeber in verschiedenen Lebensbereichen für ihre Mentees und unternehmen mit ihnen regelmäßig gemeinsame Ausflüge und kulturelle Aktivitäten. Für die jungen Menschen ist die Teilnahme am Programm kostenlos.

Die ZEIT-Stiftung will mit WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche zu Integration in und Teilhabe an der Gesellschaft beitragen. Alle Beteiligten profitieren: Die Schülerinnen und Schüler erhalten individuelle Unterstützung beim Ankommen in Hamburg und in der neuen Schule. Die Eltern werden bei der Förderung ihrer Kinder unterstützt. Die Schulen wiederum können stärker auf die unterschiedlichen Begabungen ihrer Schüler eingehen. Und die Studierenden sammeln praktische Erfahrungen für ihren zukünftigen Beruf als Lehrkraft und erwerben für ihre Mentorentätigkeit Fähigkeiten, die ihnen auch auf ihrem persönlichen beruflichen Weg weiterhelfen.

Seit dem Start des Programms 2015 haben in Hamburg 884 Mentees und 316 Mentorinnen und Mentoren an 25 Partnerschulen an WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche teilgenommen.

Aktuell fördern 41 Mentorinnen und Mentoren 150 Mentees.

884

Mentees


haben seit der Gründung 2015 in Hamburg von WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche profitiert.
316

Mentorinnen und Mentoren


haben die Kinder beim Übergang von der Internationalen Vorbereitungsklasse in die Regelklasse begleitet.
25

Partnerschulen


beteiligten sich bisher in Hamburg an dem Projekt.

Förderung

Eine Mentorin bzw. ein Mentor arbeitet mit drei Schülerinnen und Schülern, ausgewählt von der Klassenleitung nach festgelegten Kriterien. Durchschnittlich begleiten die Studierenden ihre Mentees 18 Stunden im Monat. Gefördert wird in der IVK-Klasse 5/6 und 7/8 wie folgt: 

  • zwei Stunden pro Woche im Unterricht
  • zwei Stunden pro Woche außerhalb des Unterrichts

Die Ziele der Förderung und die Maßnahmen stimmen die Mentorinnen und Mentoren regelmäßig mit den Lehrkräften ab, um die Mentees gezielt und individuell unterstützen zu können. Die Förderung findet in der Regel an zwei festen Tagen in der Woche statt.


Fachliche und überfachliche Förderung

Die fachliche Förderung durch die Mentorinnen und Mentoren sieht folgendermaßen aus:

  • Unterstützung in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch
  • Sprachförderung (Deutsch als Zweitsprache (DaZ) / Bildungssprache Deutsch)
  • Gemeinsames Vorbereiten auf Prüfungen (z. B. Sprachdiplom / Klassenarbeiten, Tests, Präsentationen)

Um sich das fachliche Wissen besser anzueignen und gesellschaftliche Teilhabe insgesamt zu ermöglichen, werden die Schülerinnen und Schüler auch in ihren überfachlichen Fähigkeiten gestärkt:

  • Vermittlung von ausgewählten Lernstrategien und -methoden (Einsatz des Ratgebers „Lernen zu lernen“)
  • Stärkung des Lern- und Arbeitsverhaltens
  • Stärkung der Selbstwirksamkeit sowie der Ausdauer, Lern- und Leistungsbereitschaft
  • Aufbau von Motivation und Selbstvertrauen
  • Stärkung von Kooperations- und Teamfähigkeit (angemessenes Auftreten, Konfliktfähigkeit, Toleranz)   
  • Klärung der Ziele, die das Mentee erreichen möchte
  • Hilfen zur kulturellen Teilhabe, Vermittlung von Werten


Kulturprogramm und Ausflüge

Neben der Unterstützung in der Schule gehört zu WEICHENSTELLUNG auch ein kulturelles Begleitprogramm, an dem Mentorinnen und Mentoren mit ihren Mentees gemeinsam teilnehmen. Es soll bei den Mentees Interesse für Kultur wecken und ihre Persönlichkeit stärken. Sie lernen „ihren“ Stadtteil besser kennen und sehen zentrale Orte der Stadt und die Chancen und Erlebnisse, die sie bieten. In der Regel dauert das Kulturprogramm vier Stunden und findet meist am Wochenende statt.

Das WEICHENSTELLUNG-Team stellt dafür ein Angebot aus verschiedenen Aktivitäten zusammen. Daraus können die Mentorinnen und Mentoren gemeinsam mit ihren Mentees passende Veranstaltungen wählen. Durch die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten – von Ausstellungen und Theaterstücken über Sportveranstaltungen und Ausflügen in den Tierpark bis hin zu Stadtführungen und Mitmachkursen – ist für jeden etwas dabei, um gemeinsam neue Erfahrungen zu machen. Die Studierenden bereiten ihre Mentees auf die kulturellen Veranstaltungen vor, so dass sie motiviert und neugierig auf das Kulturangebot sind und etwas „für sich mitnehmen“.

Zudem steht den Mentees ein Budget für Bücher und Arbeitsmaterialien zur Verfügung. Je nach Wunsch können die Mentorinnen und Mentoren ihre Mentees auch in Sport- und Musikvereine vermitteln.

Das Kulturprogramm und die gemeinsam unternommenen Ausflüge im Programm WEICHENSTELLUNG schaffen ein Miteinander, von dem nicht nur die Studierenden sowie Kinder und Jugendlichen profitieren, sondern ebenso die beteiligten Schulen und die Familien der Mentees.

Mentees

Die Auswahl

Die Lehrkräfte der Internationalen Vorbereitungsklassen an den Partnerschulen informieren die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien über das Projekt. Sobald die Eltern ihr Einverständnis für die Teilnahme am Programm gegeben haben, empfehlen die Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler für die Aufnahme in WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche. Dabei orientieren sie sich an folgenden Kriterien:    

Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5/6 und 7/8, die …  

  • (neu-)zugewandert sind und einen Förderbedarf beim Erwerb der deutschen Sprache haben,
  • eine erkennbare Lern- und Leistungsbereitschaft haben und motiviert sind,
  • bereit sind, die verabredeten Hilfen und Unterstützungsangebote – auch die begleitenden kulturellen Ausflüge – anzunehmen und verbindlich wahrzunehmen und die
  • von ihren Eltern bei der Teilnahme an dem Programm unterstützt werden.


So profitieren die Mentees

Sie …

  • erfahren, positiv zu denken und die neuen Herausforderungen positiv anzugehen.
  • lernen, zu lernen – strukturiert, konzentriert und zielgerichtet.
  • erhalten Unterstützung beim Deutschlernen und in wichtigen Schulfächern.
  • haben mit ihrem Mentor einen Begleiter an ihrer Seite, der ihnen bei vielen Fragestellungen und Herausforderungen – schulischer, persönlicher oder familialer Art – als Ansprechpartner zur Verfügung steht.
  • erwerben wichtige Fähigkeiten fürs Leben – wie Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, respektvollen Umgang und Konsequenz.
  • lernen, ihre eigene kulturelle Identität zu entwickeln, bekommen Werte vermittelt und nehmen aktiv am gesellschaftlichen Leben teil (u. a. durch das Kulturprogramm).

Mentoren

Die Auswahl

Für die Auswahl der Mentorinnen und Mentoren gelten grundsätzlich folgende Kriterien:

Teilnehmen könnten Personen, die …                         

  • Studierende des Lehramts oder anderer pädagogikaffiner Studiengänge (B.A. oder M.A.) mit pädagogischer Erfahrung sind,
  • ein hohes Interesse daran haben, während ihres Studiums intensive Praxiserfahrungen zu sammeln, und diese in den begleitenden Supervisionen bzw. Coachings sowie Begleitseminaren und Fortbildungen zu reflektieren,
  • zusätzlich zu ihrem Studium Orientierung, Kompetenzerweiterung und Professionalisierung anstreben und die
  • sich gesellschaftlich engagieren wollen.


So profitieren die Mentorinnen und Mentoren

Sie …

  • erwerben pädagogische Kompetenzen.
  • gewinnen grundlegende Kompetenzen für die Aufgaben als Mentorin/Mentor.
  • erfahren, wie sie ihre Mentees zum Lernen motivieren können.
  • sammeln praktische Erfahrungen für den zukünftigen Beruf.
  • können sich an der Universität Hamburg ihre Mentorentätigkeit im Programm WEICHENSTELLUNG als Integriertes Schulpraktikum im BA-Studium anerkennen lassen.
  • nehmen an einem Einführungsseminar teil (u. a. Planung von Fördereinheiten und Nutzung des Kulturprogramms), das sie gut auf ihre Tätigkeit vorbereitet.
  • nehmen an einem Seminar „Deutsch als Zweitsprache (DaZ)“ teil.
  • profitieren von weiteren ausgewählten Fortbildungen (u. a. Traumatisierung, Asylrecht).
  • können sich in den regelmäßig stattfindenden Supervisionen an der jeweiligen Partnerschule mit anderen Mentorinnen und Mentoren und dem Supervisor über ihre Erfahrungen austauschen und Feedback einholen.
  • haben bei Peer-to-Peer-Hospitationen die Möglichkeit, sich untereinander noch intensiver über ihre Förderarbeit auszutauschen.
  • erhalten eine Aufwandsentschädigung.

An der Universität Hamburg haben die Mentorinnen und Mentoren die Möglichkeit, ihre Erfahrungen im Projekt WEICHENSTELLUNG in Seminar- und MA-Arbeiten einfließen zu lassen und damit ETCS (credit points) zu erwerben.

„Das Schöne an WEICHENSTELLUNG ist, dass Mensch die Möglichkeit hat, sich wirklich kennenzulernen. Es wird nicht nur gemeinsam und voneinander gelernt, sondern es können auch Freundschaften entstehen.“

(Nele Schell, Mentorin)

Partnerschulen

Die Partnerschulen benennen einen Ansprechpartner, der das Projekt von Schulseite her koordiniert und die Informationsschnittstelle für die beteiligten Klassenlehrkräfte, die Mentorinnen und Mentoren sowie das WEICHENSTELLUNG-Team der ZEIT-Stiftung bildet.

Die Studierenden arbeiten eng mit den jeweiligen Klassenlehrkräften zusammen und treffen sich regelmäßig mit den anderen Mentorinnen und Mentoren zu Supervisionen, die an den Partnerschulen durchgeführt werden.

Ihre Schule wünscht mehr Informationen zum Projekt? Dann melden Sie sich beim WEICHENSTELLUNG-Team.

WEICHENSTELLUNG-Team

Gesamtkoordination
Dr. Tatiana Matthiesen
Bereichsleiterin Bildung und Erziehung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: matthiesen@zeit-stiftung.de
Projektassistenz
Luis Rieken
Förderbereich Bildung und Erziehung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: team@zeit-stiftung.de
Rechnungswesen/Controlling
Jörn Ruge
Projektassistenz
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd 
Bucerius, Hamburg
E-Mail: ruge@weichenstellung.info
Rechnungswesen/Controlling
Judith Strand
Projektassistenz
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: strand@weichenstellung.info


Pädagogische Leitung (extern)

Pädagogische Leitung und Beratung
Prof. Dr. Reiner Lehberger
Erziehungswissenschaftler
Universität Hamburg
E-Mail: lehberger@weichenstellung.info
Pädagogische Leitung und Beratung
Rolf Deutschmann
Oberschulrat a.D.
E-Mail: deutschmann@weichenstellung.info

Partner und Förderer

WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche der ZEIT-Stiftung startete im Jahr 2015 als Pilotprojekt an der Europaschule Gymnasium Hamm in Kooperation mit der Til Schweiger Foundation. Seit 2018 engagiert sich auch die Hans-Dornbluth-Stiftung bei WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendlichen.

Dank einer Zuwendung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Initiative „Menschen stärken Menschen konnte WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche stark ausgeweitet und zahlreiche neue Bildungspatenschaften gestiftet werden.